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Beruf und Privatleben: Warum sich beides nicht einfach trennen lässt

11. Sept.
2 Min. Lesezeit

„Privates hat am Arbeitsplatz nichts verloren.“


Ein Satz, den wir wahrscheinlich alle schon einmal gehört haben. Und einer, den ich schwierig finde. Denn wir geben unser Privatleben morgens nicht an der Bürotür ab und holen es abends wieder ab. Was uns beschäftigt, nehmen wir mit. Ob wir wollen oder nicht.


Ein unerfüllter Kinderwunsch beschäftigt uns auch während eines Arbeitstages. Eine schlaflose Nacht mit den Kindern ist am nächsten Morgen nicht einfach vergessen. Sorgen in der Familie können unsere Gedanken beanspruchen. Und genauso verschwindet beruflicher Druck nicht automatisch, sobald wir nach Hause kommen.

Beruf und Leben lassen sich nicht voneinander trennen.


Wir übernehmen im Beruf eine Rolle. Doch hinter dieser Rolle steht immer ein Mensch.

Und dieser Mensch hat vielleicht gerade eine Kinderwunschbehandlung hinter sich. Hat die halbe Nacht ein krankes Kind betreut. Macht sich Sorgen um die eigenen Eltern. Steckt mitten in einer Trennung. Oder hat schlicht eine Phase, in der vieles gleichzeitig zusammenkommt.


Das bedeutet nicht, dass wir am Arbeitsplatz jedes private Thema besprechen müssen. Und es bedeutet auch nicht, dass Arbeitgeber für alles verantwortlich sind, was ihre Mitarbeitenden privat beschäftigt. Aber was uns beschäftigt, beeinflusst uns. Unsere Energie, unsere Konzentration, unsere Belastbarkeit und manchmal auch unsere Leistungsfähigkeit. Das anzuerkennen, hat für mich nichts mit fehlender Professionalität zu tun.


Die Verbindung funktioniert natürlich auch in die andere Richtung.

Ein schwieriges Gespräch ist nicht automatisch vergessen, wenn wir den Laptop zuklappen. Eine wichtige Entscheidung kann uns noch am Abend beschäftigen. Verantwortung lässt sich nicht immer mit dem Büroschlüssel abgeben.


Gerade Frauen versuchen häufig, in mehreren Bereichen gleichzeitig allem gerecht zu werden. Im Beruf zuverlässig und leistungsfähig sein. Für die Familie da sein. Die Partnerschaft nicht aus den Augen verlieren. Freundschaften pflegen. Und irgendwo dazwischen auch noch die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen. Dass diese verschiedenen Bereiche sich gegenseitig beeinflussen, ist für mich keine Schwäche. Es ist schlicht unser Leben.


Natürlich können Grenzen zwischen Beruf und Privatleben wichtig sein. Nicht jede E-Mail muss am Abend beantwortet werden. Nicht jeder berufliche Gedanke braucht einen Platz am Familientisch. Und genauso müssen wir im Beruf nicht alles von uns preisgeben.

Aber Grenzen sind für mich etwas anderes als die Vorstellung, dass wir Beruf und Privatleben vollständig voneinander trennen könnten.

Viel hilfreicher finde ich die Frage: Wie gehe ich damit um, wenn ein Bereich meines Lebens gerade besonders viel von mir fordert?

Vielleicht bedeutet das, die eigenen Ansprüche für eine Zeit herunterzuschrauben. Unterstützung anzunehmen. Eine Grenze zu setzen. Ein Gespräch zu führen. Aufgaben abzugeben. Oder sich überhaupt erst einzugestehen, dass gerade nicht alles gleichzeitig gleich gut funktionieren kann.


Es braucht nicht immer eine perfekte Lösung

Wir sprechen oft von Vereinbarkeit, als gäbe es irgendwo die perfekte Aufteilung zwischen Beruf, Familie und den eigenen Bedürfnissen. Ich glaube nicht, dass es diese gibt.

Was heute gut funktioniert, kann in einem halben Jahr schon wieder anders aussehen. Ein neuer Job, eine Führungsposition, ein Kind, ein unerfüllter Kinderwunsch oder eine andere Veränderung im Leben kann unsere Prioritäten verschieben. Entscheidend ist für mich deshalb nicht, alles perfekt im Griff zu haben. Sondern immer wieder hinzuschauen: Was brauche ich gerade? Was ist mir wichtig? Und was kann oder muss vielleicht auch einmal warten?


Denn am Ende haben wir nicht ein berufliches und ein privates Leben.

Wir haben ein Leben.

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